
Prophezeihungen
Der Seher Nostradamus
Der Seher Nostradamus
Nostradamus (* 14. Dezember 1503, einem Donnerstag, um die Mittagszeit in Saint-Rémy-de-Provence, Provence; † 2. Juli 1566 zu Salon-de-Provence), eigentlich Michel de Nostredame, war Apotheker und angeblich Arzt von Beruf, wurde aber bereits zu Lebzeiten für seine Prophezeiungen berühmt, worüber die Ansichten jedoch kontrovers sind.
Drei Jahre nach seiner Eheschließung, im Jahr 1550, begann Nostradamus mit der Veröffentlichung von jährlichen Almanachen für die Landwirtschaft (die aber eher für den Adel und das Bürgertum gedacht waren, da die bäuerliche Bevölkerung zu der Zeit kaum lesen konnte), in denen die ersten Prophezeiungen für das jeweilige Jahr abgedruckt wurden, die fünf Jahre später auch Vierzeiler enthielten. Nostradamus hielt an der Veröffentlichung dieser Almanache bis zu seinem Todesjahr fest.
Diese Broschüren wurden mit Prophezeiungen in Prosa und auf Französisch statt des bisher üblichen Latein veröffentlicht. Aber erst 1555 ging er mit dem an die Öffentlichkeit, was ihn letztendlich berühmt machte. Er gab in Lyon Les Propheties de M. Michel Nostradamus mit vier Centurien heraus, bestehend aus drei Mal hundert und einmal 53 Quatrains genannten Strophen zu jeweils vierzeiligen Versen.
Typische Merkmale seiner Prophezeiungen sind das fast vollständige Fehlen von konkreten Zeitangaben und Namen und eine sehr metaphorische Sprache, die die Prophezeiungen bis in unsere Zeit rätselhaft hält und auch dann noch immer neue Deutungen zulässt, wenn sie längst eingetroffen sein sollen. In viele Verse sind Hinweise auf astrologische Konstellationen eingebaut. Etwas klarer spricht er im Vorwort an seinen Sohn César zu seinen Prophezeiungen und erklärt, diese reichten "von heute bis ins Jahr 3797" (was "2242 Jahre" bedeutet, oder vielleicht vielmehr "bis ins Jahr 2242"), ohne aber auf ihren Inhalt einzugehen. Bis zu seinem Tod veröffentlichte er sieben Centurien - von drei weiteren wird ohne Beleg angegeben, sie seien bereits zu seinen Lebzeiten erschienen. Des weiteren sollen sich in seinem Nachlass weitere Texte gefunden haben, die zum Teil in Prosa verfasst waren, zum Teil als Sechszeiler. Die Prosatexte sind (wenn nicht die Almanachen selbst) verloren gegangen, die Sechszeiler werden als 11. und 12. Centurie gehandelt, obwohl sie bei weitem nicht aus 200 Strophen bestehen. Eine auch für Nostradamus unerfreuliche Tatsache war es jedoch, dass bereits kurz nach dem Erscheinen seiner Prophezeiungen nicht nur Schmähschriften gegen ihn, sondern auch Fälschungen kursierten, mit denen von seinem Erfolg profitiert werden sollte.
Berühmt machten ihn ursprünglich ab 1550 seine Almanachs. Erst 1614 wurde zum ersten Mal von seinem Sohn Cesar die Strophe 35 seiner ersten Centurie von 1555 mit dem Tod des Königs Heinrich II verbunden (Nostradamus selbst habe nie von der Idee gehört, nahm dafür vielmehr die Strophe III.55 in einem Brief von 1562 an Jean de Vauzelles in Anspruch), wird aber heute oft als Grund für seine Berühmtheit fehlerhaft zitiert:
"Le lyon ieune le vieux surmontera,
En champ bellique par singulier duelle:
Dans cage d'or les yeux luy creuera,
Deux classes vne, puis mourir, mort cruelle."
"Der junge Löwe wird den alten besiegen,
Auf dem Schlachtfeld in einem einzigen Duell:
Im goldenen Käfig wird er ihm die Augen ausstechen,
Zwei Flotten/Armeen einig, dann wird er einen grausamen Tod sterben."
Am 10. Juli 1559, bei der Hochzeit seiner Tochter Elisabeth mit König Philipp II. von Spanien, bestritt Heinrich II. auf der Rue Saint-Antoine in Paris einen Turnierzweikampf mit stumpfen Waffen mit dem Grafen Montgomery, dem Hauptmann der schottischen Garde; dessen Lanze brach, und ein Splitter drang durch das Visier des Helms über dem rechten Auge des Königs ein. Heinrich II. starb 10 Tage später an einer Hirnhautentzündung.
Obwohl diese Quatrain stets angeführt wird, wenn ein Beispiel für Nostradamus' erfolgreiche Prophezeiungen zu geben ist, so ist sie durchaus nicht präzise. Dass Heinrich einen goldenen Helm trug, ist nicht belegt. Auch die Bezeichnung der Gegner als junger bzw. alter Löwe ist unklar: man hat es auf die Turnierembleme gedeutet, jedoch ist weder von Heinrich noch von Montgomery die heraldische Verwendung eines Löwen belegt (das Emblem der Valois-Könige ist zudem der Hahn). Der Lanzensplitter drang nicht ins Auge, sondern darüber ein, das Auge selbst blieb unverletzt. Es handelte sich auch nur um eine Wunde, obwohl einige Berichte von einer weiteren Verletzung am Hals sprechen. Leitet man classes alternativ zum griechischen klasis vom lateinischen classis (Flotte) ab, wird der Sinn auch nicht klarer. Und schließlich kann ein Turnierkampf nur übertragen als Duell auf dem Schlachtfeld gelten.
Links zu einigen Originalausgabgen von Nostradamus´ Werken:
1) Die heute in der Bibliothek von Albi erhaltene Ausgabe enthält 353 Vierzeiler und erschien am 4. Mai 1555 bei Macé Bonhomme in Lyon.
2) Diese Ausgabe entspricht im Wesentlichen der Ausgabe von Albi, enthält jedoch geringfügige Unterschiede, und erschien ebenfalls am 4. Mai 1555 bei Macé Bonhomme in Lyon. Heute steht sie in der Bibliothek von Wien.
3) Die erste Version der beiden zweiten Ausgaben erschien am 6. September 1557 bei Antoine du Rosne in Lyon und enthält 641 Vierzeiler + "Lateinischem Bannvers" und steht heute in der Bibliothek von Utrecht.
4) Der zweite Auflage der zweiten Ausgabe fehlen 2 Verse sowie der "Lateinische Bannvers" (also insgesamt 639 Vierzeiler) und erschien am 1. November 1557 ebenfalls bei Antoine du Rosne in Lyon. Ehemals stand die Ausgabe in der Bibliothek von Budapest, heute befindet sie sich jedoch in Moskau.
5) Als erste heute noch erhaltene Gesamtausgabe gilt die Auflage von Lyon im Jahre 1568, erschienen bei Benoist Rigaud.
-Dieser Text ist noch in Bearbeitung und wird erweitert-


