
Allgemeine Informationen
Geschichtlicher Überblick
Geschichtlicher Überblick
- 1992 32 Handelskammern des Ostseeraums schließen sich zur "Baltic Sea Chambers of Commerce Association" zusammen
- 1990 Gemeinsame Kulturinitiative aller Ostseeländer "ARS BALTICA" wird ins Leben gerufen; Die neue Landesverfassung tritt am 1. August in Kraft
- 1989 Fall der Berliner Mauer und der Grenzbefestigungen zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg
- 1987 "Barschel-Pfeifer-Affäre": Uwe Barschel tritt als Ministerpräsident zurück
- 1985 Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer bringt 285.000 Hektar Watt- und Wiesenflächen der Nordsee unter Schutz; Erstes Schleswig-Holstein Musik Festival
- 1983 Erste industrielle Winkraftanlage "GROWIAN" geht in Betrieb
- 1972 Olympische Segelwettbewerbe in Kiel-Schilksee
- 1970 Neuordnung der Gemeinde- und Kreisgrenzen
- 1963 Eröffnung der Fehmarnsundbrücke ("Vogelfluglinie")
- 1962 Nach der schwersten Sturmflut an der Nordseeküste seit über 100 Jahren wird der "Generalplan Küstenschutz" zur Deichverstärkung aufgestellt
- 1955 Bonn-Kopenhagener Erklärungen zum Schutz der Minderheiten in Deutschland und Dänemark, damit Grenzfrieden
- 1952 Erste Nordische Filmtage in Lübeck
- 1949 "Kieler Erklärung": Rechte der dänischen Minderheit werden anerkannt
- 1947 Erste Landtagswahlen am 20. April: Hermann Lüdemann (SPD) wird Ministerpräsident
- 1946 Schleswig-Holstein "selbständiges Land"
- 1945 Schleswig-Holstein wird britische Besatzungszone - Letzte Reichsregierung Dönitz in Flensburg wird verhaftet
- 1944 KZ-Außenlager Schwesing und Ladelund sowie "Arbeitserziehungslager Nordmark" in Kiel mit vielen hundert Toten
- 1941 Malverbot für Emil Nolde - Die berühmten "ungemalten Bilder" entstehen von 1938 bis 1945
- 1937 "Groß-Hamburg Gesetz": Altona wird in Hamburg, Lübeck in Schleswig-Holstein eingegliedert
- 1936 Olympische Segelwettkämpfe auf der Kieler Förde
- 1933 "Machtübernahme" durch die NSDAP; in Schleswig-Holstein hatte 1932 eine absolute Mehrheit für die Nationalsozialisten gestimmt
- 1928/30 "Landvolkbewegung": Bauern demonstrieren wegen Wirtschaftskrise
- 1927 Der Hindenburgdamm nach Sylt wird gebaut
- 1920 Infolge des Versailler Friedensvertrags Volksabstimmung im Landesteil Schleswig und Abtretung Nordschleswigs an Dänemark
- 1918 Matrosenaufstand in Kiel - Beginn der "Novemberrevolution"; Physik-Nobelpreis für den Kieler Max Planck
- 1914 Gründung Kieler Institut für Weltwirtschaft
- 1901 Thomas Mann schreibt "Die Buddenbrooks"
- 1895 Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals als "Kaiser-Wilhelm-Kanal"
- 1894 Erste elektrische Straßenbahn in Lübeck
- 1890 Deutsch-britischer Rücktausch Helgolands gegen Sansibar
- 1886 Theodor Storm schreibt die Novelle "Der Schimmelreiter"
- 1883 Erster Telefonanschluss in Kiel installiert
- 1882 Erste Kieler Woche
- 1871 Kiel wird "Reichskriegshafen" und in der Folge eine wichtiger Marine- und Rüstungsstandort
- 1870 Ernst Barlach, einer der größten deutschen Bildhauer, wird in Wedel geboren
- 1867 Schleswig-Holstein wird preußische Provinz; Kiel verfügt über die ersten öffentlichen "Pissoirs", getrennt in 1. und 2. Klasse
- 1864 Deutsch-dänischer Krieg um Schleswig-Holstein
- 1859 Erste Wasserleitung im holsteinischen Altona
- 1850 Preußen schließt Frieden mit Dänemark und gibt die Herzogtümer preis
- 1848-51 Revolution und "Schleswig-Holsteinische Erhebung" gegen Dänemark
- 1848-50 Erste Ausreisewelle demokratisch gesinnter Schleswig-Holsteiner in die USA
- 1844 Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke von Altona nach Kiel; Sängerfest in Schleswig - "Geburtsstunde" Schleswig-Holstein-Lied
- 1842 Gründung des "Kieler Kunstmuseums"; Erste Volkshochschule in Rendsburg
- 1841 Hoffmann von Fallersleben dichtet auf Helgoland das "Lied der Deutschen", den Text der späteren Nationalhymne
- 1834 Inkrafttreten der Provinzialstände-Verfassung
- 1830 Bau der Chaussee Kiel-Altona; verkürzte Fahrzeit mit der Kutsche
- 1819 "Caldonia" erstes Linien-Dampfschiff von Kopenhagen nach Kiel
- 1815 Erste schleswig-holsteinische Verfassungsbewegung; "Waterloo-Rede": Friedrich Dahlmann sieht Schleswig-Holstein als deutsche Provinz ;Herzogtum Lauenburg geht als Folge des Wiener Kongresses an Dänemark, gleichwohl gehören die Herzogtümer Holstein und Lauenburg zum Deutschen Bund
- 1814 "Allgemeine Schulordnung" in Schleswig-Holstein
- 1808-14 Bündnis des dänischen Königs mit Napoleon - 1810 reicht Frankreich bis nach Travemünde
- 1806 Ende des Römischen Reiches Deutscher Nation - Gesamt-Schleswig-Holstein gehört zu Dänemark
- 1805 Aufhebung der Leibeigenschaft in den Herzogtümern
- 1802 Erstes Seebad in Travemünde
- 1790 Dichter- und Philosophenkreis in Emkendorf und Eutin gilt als das "Weimar des Nordens"
- 1788 Gründung der Schleswig-Holstein-Bank in Altona
- 1781 Stiftung des Kieler Schullehrerseminars
- 1777-84 Bau des Schleswig-Holsteinischen Kanals ("Eiderkanal")
- 1773 Herzogtum Holstein fällt an den dänischen König
- ab ca. 1765 Die typische schleswig-holsteinische Knicklandschaft entsteht durch die Parzellierung der Ländereien
- 1742/43 Erste Landgewinnung an der Westküste - Sophien-Magdalenen-Koog
- 1738 Gründung des Königlich Akademischen Gymnasiums in Altona
- 1733 Erste Schulordnung im Herzogtum Schleswig
- 1700-21 Nordischer Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum - Haus Gottorf verliert das Herzogtum Schleswig an den dänischen König
- 1658 Kopenhagener Vergleich: Aufhebung der Lehnsbindung, Souveränität des Gettorfer Herzogs
- 1544 Rendsburger Landtag - Einführung der evangelisch-lutherischen Lehre in den Herzogtümern
- 1460 Vertrag von Ripen und "tapfere Verbesserung" in Kiel: König Christian I. von Dänemark wird zum Landesherrn in Schleswig und Holstein gewählt und dem Adel die Unteilbarkeit des Standes und seiner Rechte zugesichert
- 1386 Graf Gerhard VI. von Holstein wird zusätzlich mit dem Herzogtum Schleswig belehnt
- 1362 Sturmflut "grote mandranck" - tausende Tote, weite Teile Nordfrieslands werden überschwemmt
- 1261 Teilung der Grafschaft Holstein unter den Schauenburgern in Teilgrafschaften
- 1158 Neugründung Lübecks
- 1138/39 Eroberung Wagriens durch die Schauenburger
- 811 Festlegung der Eider als Grenze zwischen den Reichen von Karl dem Großen und des dänischen Königs Göttrik
- 800-1050 Die dänische Stadt Haithabu ist das Handelszentrum Nordeuropas
- 737-800 Errichtung des Danewerks als Verteidigungssystem
- 500-800 Einwanderung der Dänen, Jüten und Friesen nach Schleswig, der Sachsen nach Westholstein und der Abodriten nach Ostholstein (heutige Ortsbezeichnungen)
Schleswig-Holstein wurde nach der letzten Eiszeit von Jägern und Sammlern besiedelt. Ab etwa 4000 v. Chr. kamen Ackerbauern ins Land, die zwischen 3500 und 2800 Megalithanlagen errichteten, von denen nur noch über 100 erhalten sind. Bis zum frühen Mittelalter entwickelten sich im heutigen Schleswig-Holstein vier Völker- und Sprachgruppen: Im nördlichen Teil bis zu einer Linie Eider – Treene – Eckernförde nordgermanische Dänen und Jüten, im nordwestlichen Teil Friesen, im südwestlichen Teil bis zu einer Linie Eider – Kiel – Preetz – Eutin – Elbe westgermanische Sachsen, im östlichen Teil slawische Abodriten. Im Zuge der Sachsenkriege kam der südliche Teil unter den Einfluss des Frankenreichs. Zwischen 768 und 811 kam es immer wieder zu Konfrontationen zwischen dem König des Frankenreiches und späteren christlichen Kaiser Karl dem Großen und den heidnischen Nordgermanen, in deren Zuge auch das Danewerk errichtet und ausgebaut wurde. 811 wurde in einem Friedensvertrag die Eider als Grenze zwischen dem Karolinger- und dem Dänenreich festgeschrieben. Mit der zunehmenden Besiedlung im 12. und 13. Jahrhundert verlor die Eidergrenze ihre tatsächliche Bedeutung als Trennungslinie, sie blieb aber bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 bzw. bis 1864 als Grenze zwischen Schleswig und Holstein bestehen. Bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs 1900 war sie noch eine juristische Grenze, da in Schleswig bis damals noch das dänische Jydske Lov galt. Ab 1111 wuchs beiderseits der Eider die Eigenständigkeit, aus denen die Herzogtümer Schleswig und Holstein (damals noch als Grafschaft) hervorgingen. Zugleich wurden zwischen den beiden Gebieten immer engere politische und wirtschaftliche Verbindungen geknüpft.
Im frühen 13. Jahrhundert versuchte der dänische König, auch Holstein in sein Reich zu integrieren, er scheiterte aber nach anfänglichen Erfolgen 1227 in der Schlacht von Bornhöved am Widerstand norddeutscher Fürsten. Nachdem holsteinische Grafen im 14. Jahrhundert ihren Einfluss weit nach Jütland hinein ausdehnen konnten, gelang es Margarethe I. um 1400 wieder die dänische Lehnshoheit in Schleswig zu erlangen. Sie musste aber auch die Besitzansprüche der holsteinischen Adligen in Schleswig anerkennen. 1386 zeigten sich die beiden Gebiete erstmalig vereint im Wappen, als die Schauenburger Grafen Schleswig als dänisches Lehen erhielten. Im Einzelnen ist die Territorialgeschichte Schleswigs und Holsteins durch zahlreiche Erbteilungen und Heimfälle sehr verwickelt. Der Dynastie der Schauenburger gelang es jedoch, eine schleswig-holsteinische Herrschaft zu errichten, so dass im Spätmittelalter von Schleswig-Holstein als einem faktisch zusammenhängenden Territorium gesprochen werden kann.
1460 wählte die schleswig-holsteinische Ritterschaft nach dem Aussterben der Schauenburger in direkter Linie (1459) den dänischen König Christian I. aus dem Haus Oldenburg, einen Neffen des letzten Schauenburgers Adolf VIII., zum Landesherrn. Nach dem Vertrag von Ripen (1460), der die Unteilbarkeit des Landes festschreiben sollte, blieb Schleswig-Holstein bis 1864 in einer Personalunion mit Dänemark verbunden. Der dänische König regierte Schleswig und Holstein also nicht in seiner Eigenschaft als König, sondern als Herzog der beiden Gebiete, wobei Schleswig allerdings ein königlich-dänisches Lehen blieb, während Holstein weiterhin zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte und damit Reichslehen war.
Während der frühen Neuzeit zerfielen Schleswig und Holstein wiederholt aufgrund von Erbteilungen in mehrere kleinere Herrschaften, unter diesen war das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf das bedeutendste: Den Gottorfer Herzögen war unter anderem die Gründung der Universität Kiel zu verdanken. Erst seit 1773 befanden sich Schleswig und Holstein wieder fast ganz unter der Herrschaft des dänischen Königs.
Der im 19. Jahrhundert sowohl in Dänemark wie auch in Deutschland aufkommende Nationalismus führte zu einem Gegensatz hinsichtlich der Zugehörigkeit der sogenannten Elbherzogtümer, der in zwei Kriegen mündete. Umstritten war dabei nicht das ausschließlich deutsch besiedelte Holstein, das ja seit dem frühen Mittelalter zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und nach 1815 auch zum Deutschen Bund gehörte und lediglich vom dänischen König regiert wurde, sondern das Herzogtum Schleswig: Sowohl in Deutschland wie in Dänemark wurde das Land von den national gesinnten Liberalen zur Gänze beansprucht, obwohl es in einen überwiegend dänischsprachigen und dänischgesinnten Norden und einen überwiegend deutschsprachigen und deutschgesinnten Süden geteilt war. In dem Sylter Nordfriesen Uwe Jens Lornsen fand der deutschsprachige und deutschgesinnte Süden Schleswigs 1830 einen ersten wortgewaltigen Fürsprecher. Seit Anfang der 1840er Jahre versuchten sowohl deutsche als auch dänische Nationalliberale in Schleswig Einfluss zu gewinnen, so dass sich ein Konflikt abzeichnete. Dieser brach im Zusammenhang mit der Märzrevolution 1848 offen aus. In Kiel wurde eine provisorische Regierung ausgerufen, die die Aufnahme eines vereinten Schleswig-Holsteins in den Deutschen Bund verlangte, während gleichzeitig in Kopenhagen eine nationalliberale Regierung ernannt wurde, der mehrere sogenannte Eiderdänen angehörten, deren Ziel die verfassungsmäßige Eingliederung Schleswigs in das Dänische Reich war. Die Unvereinbarkeit beider Forderungen führte zum Schleswig-Holsteinischen Krieg von 1848–1851, in dem die deutsch gesinnten Schleswig-Holsteiner (zunächst noch vergeblich) versuchten, die dänische Oberhoheit zu beenden. Nach dem Willen der deutschen Nationalliberalen sollte auch Schleswig ein Mitglied des Deutschen Bundes werden und vereint mit Holstein ein souveräner Staat unter Regierung des Herzogs von Augustenburg werden. Zunächst wurden die deutschen Schleswig-Holsteiner dabei von der Paulskirchenversammlung unterstützt, doch auf Druck der europäischen Großmächte zogen sich die preußischen Armeen und die Bundestruppen zurück und überließen die Kieler Regierung ihrem Schicksal. Der dänische Sieg bei Idstedt 1850 beendete vorerst die deutschen Hoffnungen auf ein deutsches Schleswig-Holstein, der status quo ante wurde wiederhergestellt – auch auf internationalen Druck. Und am 2. Juli 1850 wurde schließlich der Frieden von Berlin zwischen dem Deutschen Bund und Dänemark geschlossen. Eine Antwort auf die Schleswig-Holsteinische Frage konnte jedoch nicht gefunden werden.
Als Dänemark im November 1863 eine Verfassung verabschiedete, die auch in Schleswig gelten sollte und damit die Friedensbestimmungen von 1851 brach, ergriff der preußische Kanzler Bismarck die Chance, die schleswigsche Frage im deutschen Sinne zu lösen. Nach der Verstreichung eines sehr kurzen Ultimatums erklärten Preußen und Österreich Dänemark den Krieg. Den Deutsch-Dänischen Krieg konnten Preußen und Österreich im April 1864 für sich entscheiden. Verhandlungen über eine Teilung Schleswigs führten nicht zu einer Lösung, so dass Schleswig-Holstein zunächst unter eine gemeinsame Verwaltung durch Preußen und Österreich kam – im Gegensatz zu den ursprünglichen Zielen der deutschen Schleswig-Holsteiner wurden die Herzogtümer also nicht unabhängig. Nur kleine Teile im Norden Schleswigs blieben dänisch, wie z. B. die Insel Ærø und sieben Kirchspiele südlich von Kolding; dafür gab die dänische Krone ihre Ansprüche auf einige Enklaven auf, die nicht zu Schleswig gehört hatten (Møgeltønder, Listland/Sylt, Amrum, Westerland/Föhr). Nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 wurde Schleswig-Holstein 1867 als Ganzes eine preußische Provinz und damit 1871 Teil des Deutschen Reiches. Die Schleswig-Holsteinische Frage war ein zentraler Aspekt der Politik Bismarcks, die schließlich zur Reichseinigung 1871 führte.
Abgeschlossen wurde die völkerrechtliche Auseinandersetzung mit Dänemark jedoch erst 1922, als unter dem Druck und der Aufsicht der Siegermächte des Ersten Weltkriegs die im Vertrag von Prag 1866 zugesagte Volksabstimmung in den nördlichen Teilen Schleswigs stattfand. Deutschland musste als Verlierer des Krieges einen ungünstigen Zuschnitt der Stimmbezirke sowie unvorteilhafte Abstimmungsmodi (en bloc im Norden, gemeindeweise in Mittelschleswig) akzeptieren, was unter anderem zum Verlust der überwiegend deutschgesinnten Städte Apenrade, Sonderburg und Tondern sowie der grenznahen deutschgesinnten Teile des Kreises Tondern führte (siehe auch Nordschleswig). Der mittlere Stimmbezirk (mit Flensburg) war besonders hart umstritten und entschied sich dann für die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich. 1955 kam es dann zu einer endgültigen Einigung zwischen Dänemark und Deutschland, die insbesondere den Status und die Sonderrechte der jeweiligen Minderheiten regelte. Trotz kleinerer Streitigkeiten leben Deutsche und Dänen nun seit Jahrzehnten friedlich miteinander.
Während der späten Zwanziger Jahre war Schleswig-Holstein, insbesondere das an der Westküste gelegenen Dithmarschen eine der Hochburgen des Nationalsozialismus. Die Blutnacht von Wöhrden wurde von der nationalsozialistischen Bewegung deutschlandweit zu Propagandazwecken ausgeschlachtet. Bereits 1930 konnte die NSDAP in dieser Gegend gut 70 % der Wählerstimmen für sich verbuchen. 1938 brannten auch in Schleswig und Holstein (etwa in Kiel) die Synagogen; es gab auch einige kleinere Konzentrationslager.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Schleswig-Holstein Hauptansiedlungsgebiet für Vertriebene, insbesondere aus Ostpreußen und Pommern und Hamburger Ausgebombte. Die Bevölkerungszahl, die 1939 noch 1,6 Millionen Einwohner betragen hatte, stieg bis 1949 auf 2,7 Millionen Einwohner. Unter allen Flächenländern war der Anteil an Flüchtlingen im Vergleich zur eingesessenen Bevölkerung in Schleswig-Holstein am höchsten.
Die Schleswig-Holstein wurde bereits 1949 von der britischen Militärverwaltung wieder eingerichtet, formal zunächst noch als preußische Provinz. Der Christdemokrat Theodor Steltzer, der dem militärischen Widerstand gegen das NS-Regime nahegestanden hatte, wurde im November als Oberpräsident an die Spitze der Verwaltung berufen, später zum ersten Ministerpräsidenten ernannt. Am 26. Februar 1946 trat der erste Landtag zusammen, der noch nicht gewählt, sondern von der Militärregierung ernannt worden war. Am 25. Februar 1946 löste der Alliierte Kontrollrat Preußen auf. Damit war Schleswig-Holstein auch keine preußische Provinz mehr. Erst am 23. August 1946 entstand durch alliierten Beschluss das selbständige Land Schleswig-Holstein, Hauptstadt wurde Kiel. Am 20. April 1947 wurde erstmals ein Landtag gewählt. Bundesland wurde Schleswig-Holstein mit der 1949 von diesem Landtag verabschiedeten Landessatzung, die am 12. Januar 1950 in Kraft trat. Erst die nach der Verfassungsreform am 30. Mai 1990 vom Landtag verabschiedete Verfassung trug auch den Namen Landesverfassung.
Am 29. März 1955 wurden die Bonn-Kopenhagener Erklärungen unterzeichnet, in der die Bundesrepublik und Dänemark jeweils für die jeweilige Minderheit der anderen Nationalität auf ihrem Gebiet Schutzrechte vereinbarten. Dieses Abkommen gilt bis heute als Modell für die einvernehmliche Lösung von Minderheitenfragen.
Einige der heftigsten Proteste gegen Atomkraftwerke in Deutschland fanden Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre um die Baustelle des Kernkraftwerks Brokdorf statt.
Einschneidendstes Naturereignis in der Landesgeschichte dürfte die "Schneekatastrophe" am Jahreswechsel 1978/79 gewesen sein.
Den größten Skandal der Nachkriegsgeschichte stellte die Barschel-Affäre 1987/88 dar. Dieser Skandal erfuhr dann 1993 noch eine Fortsetzung mit der Schubladen-Affäre, als deren Folge Heide Simonis die erste und bislang einzige Frau an der Spitze eines Bundeslandes wurde.
Zuletzt rückte Schleswig-Holstein in den Mittelpunkt des Interesses, als im März 2005 die Wiederwahl von Simonis zur Ministerpräsidentin spektakulär im Landtag scheiterte, was zu einer Großen Koalition in Kiel führte und vielfach auch als bundespolitisches Signal gesehen wurde.
Aktualisiert (Freitag, den 29. Januar 2010 um 08:35 Uhr)


